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Kerstin Höhne
Über (M)ein sinnloses ästhetisches Empfinden
Diplomarbeit
© 2003
Die Ästhetisierung beginnt im urbanen Raum, geht über in den
privaten Raum und endet schließlich am Individuum selbst. Ästhetisierung
schließt den Umgang der Menschen miteinander und ihrer Sprache ein.
Angekurbelt wird der Prozess
der Ästhetisierung von Konsum und der dazugehörigen Webung. Die
Metapher des Aquariums habe ich als Träger meiner Bilder ausgewählt,
denn bei der Betrachtung oder Beschreibung unserer Oberfläche scheint
es mir, dass sie zum riesigen Aquarium wird.
Als erste Feststellung gilt: Ein Aquarium ist nicht für die Fische,
sondern ausschließlich für unsere Augen da. Ein Aquarium ist
ein ‚Deko-Ding’ von perfekter Künstlichkeit - ein Reich
des Scheins?
Es ist eine animierte Oberfläche, der ich sofort meine gesamte Aufmerksamkeit
schenke. Eine Oberflächlichkeit, die fasziniert und hypnotisiert.
Die Oberfläche bestimmt den Raum, sie füllt ihn aus.
Vielleicht ist es eine Aufmerksamkeit – eine Berieselung der Sinne,
hinter dem der Sinn verschwindet? Liegt die Faszination
bloß in der
puren Affirmation der Oberfläche? Ein JA, welches vielleicht Sinn
mit sich bringt? Die Prozesse der Ästhetisierung und Medialisierung
haben eine neue,
eigene Kultur und Bildkultur geschaffen.
Der Medientheoretiker Vilem Flusser hat die computer-
generierten Bilder
der Mediengesellschaft als Technobilder
bezeichnet. Technobilder durchziehen nicht nur unsere alltägliche
Wahrnehmung, auch Kunst ist immer mehr mit ihnen konfrontiert,
Video – Musikvideo. Das unkomplizierte Zusammenspiel der Kunst mit
massenmedialen Produktions- und Verwertungstechniken verweist
auf eine Entgrenzung von Hoch und Popkultur und die Herausbildung
neuer Formen, einer medialisierten
und auf Popularität ausgerichteten Kultur.
Was sich abzeichnet ist eine Popkultur im Medienzeitalter.
In diesem Kontext findet sich auch „meine Generation“ wieder.
Man tendiert dazu, sie als „Generation der kleinen Lebens-Ästheten“ zu
bezeichnen.
Meine Generation organisiert ihr Leben zwischen Chaos
und Unverbindlichkeiten. Auch wenn dies ein Massenphänomen ist, findet
sich keine Schublade für die vielfältigen und widersprüchlichen
Einstellungen und Handlungen meiner Generation. In meiner
Generation sind und bleiben es offene Größen, gegenüber
wem oder was man sich verpflichtet fühlt, was man morgen kauft, wo
man arbeitet, welche Partei man wählt. Alles ist vorstellbar, auch
das schlüpfen in vorgefertigte standardisierte Verhaltensmuster aus
den Medien wird als Möglichkeit betrachtet und so auch die Erschaffung
einer eigenen Person. Hier ist das Stichwort Bricollage,
also ein Baukastensystem aus Karl Lagerfeld, Helmut Lange und Flohmarkt
sind Optionen für einen ästhetischen
Lebensentwurf. Und hier ist das Tragen von Osama Bin
Laden T-Shirts kein Bekenntnis zu irgendwas. Es geht um ein ästhetisches
Lebensmodell, in denen Symbole keine festen Bedeutungen mehr haben. So
ist wohl jeder
sein eigener Künstler, jeder montiert sein Leben aus der Riesencollage
der Wirklichkeit.
Das Stichwort Bricollage ist für meine Arbeitsweise wichtig.
Was die Motive angeht, habe ich einen Baukasten aus Piktogrammen
entwickelt.
Zum einen sind es Popelemente wie das Spielzeugauto,
die Playmobilfigur oder der Revolver, also an sich überdeterminierte
Objekte. Zum anderen kommen Muster oder Outlines ins
Spiel, die Icons der elektronischen Popkultur, das
Grid und Raumraster. Meine Arbeitsweise gleicht im Grunde der Arbeitsweise
eines DJ’s. So entspricht meine Plattensammlung bzw. MP3 Sammlung
einem Fundus aus Formen, Farben, Motiven und Inhalten.
Es ergibt sich ein Wechselspiel aus den unkonkreten Bildelementen,
eine rhythmische Kombination zwischen Formen und bereits
formulierten Inhalten. Es tauchen neben ganz konkreten
Aussagen auch Fetzen von Botschaften auf.
Und zwar an Hand verfremdeter Figuren, Symbole oder verstümmelter
Bildunterschriften.
Somit entsteht eine Textur, ein Teppich, eine Collage,
die ins unendliche fortsetzbar scheint. Es entstehen
neue Bedeutungskontexte, sozusagen digitale Zitatreihen.
Die immer wieder ineinander geschachtelten
Renderingprozesse, durch die die einzelnen Sequenzen
gegangen sind, produzierten Artefakte, Brüchigkeiten. Der Apparat
bzw. die Software wird sichtbar.
Bei all dem werden keine komplexen Ideen vermittelt,
deren Inhalte nur einem eingeschränkten Benutzerkreis zugänglich
sind. Eine feste Benutzerperspektive wird nicht vorgegeben.
Vielmehr geht es in meiner Arbeit um Wahrnehmung bzw. Re- Inszenierung
eines Prozessen.
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