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Beziehungs:Waise
Zum Themenjahr der Stadt Halle „beziehungs:weise – Familie
und Gemeinschaft“ zeigen Studierende aus Kunst und Medien bei Prof.
Ute Hörner, Grundlagen/Fotografie bei Dr. Eva Mahn und Kommunikationsdesign/Illustration
bei Prof. Niels Schröder vom 22. bis 30. Juni im Friedemann-Bach-Haus
in Halle eine Ausstellung mit dem beziehungsreichen Titel „Beziehungs:Waise“.
Die
Ausstellung wird am Dienstag, 21. Juni um 20 Uhr eröffnet.
Was tun, wenn Familie, Partnerbeziehung, Arbeitsplatz, sogar Freundschaften
zum Schauplatz von Machtkämpfen, Neid, Intrigen und Egoismus werden?
So kennen wir das seit Kain und Abel und dem Verrat von Judas.
In Deutschland scheitert jede dritte Ehe, in Großstädten sogar jede
zweite. Einelternfamilien und Singles sind Normalität. Jede siebte Familie
ist eine Patchwork-Familie. Für Kinder heißt das, dass es keine verlässlichen
Elternpaare und keine traditionellen Beziehungsvorbilder mehr gibt. Mit dem Dahinschwinden
stabiler Bindungen und sozialer Sicherheit wächst die Sehnsucht nach Geborgenheit
und Verlässlichkeit, hat das Heiraten Konjunktur.
Mobilität, Partnerschaft auf Distanz, Alltagsstress, steigender Erfolgs-
und Konkurrenzdruck, die Emanzipation der Frau von ihrer Mutter- und des Mannes
von seiner Ernährerrolle, ein hoher persönlicher Glücksanspruch
und harmonieverfälschte, unrealistische Idealbilder aus den Medien belasten
unsere Vorstellung von Partnerschaft und Familie. Die allgegenwärtige Beschleunigung
unseres Lebens trägt uns aus der Bahn.
Werden wir Beziehungs-Waise?
Das fragen Studierende und Absolventen des Fachbereichs Kunst:
Kunst und Medien
Lars Bergmann, Valeri Budjko, Jana Friedrichova,
Elisabeth Günther,
Alexander Henschel, Constanze Höhne, Jenny Horak, Christian Jammrath, Constance
Osterkamp, Alim Pascht-Han, Anke Roschka und Kirstin Young
Grundlagen/Fotografie
Heike Dölitzsch, Imke Freiberg, Oliver
Goldacker, Michael Henschel, Jutta Kallfelz, Christin Krenz, Johannes Nagel,
Sebastian Nebe,
Alexandra Richter, Anne Schwan, Jenny Trinks, Fanny Vogler, Michael Wernitz,
Sandy Winkler, Roland Beer und Sylvia Schade
Kommunikationsdesign/Illustration
Andreas Dürer, Sonja Gebhardt,
Maryna
Zhdanko, Sue Meylahn, Anne Hübner, Silvia Mathwig, Tanja Wevelsiep und Sandra
Uhlitzsch.
Im Rahmen der Ausstellung werden unter anderem die filmischen Studien zu sehen
sein, die im Rahmen eines Semesterprojekts im Fachgebiet Kunst und Medien entstanden
sind, darunter auch die lange Version des inzwischen in den Kinos laufenden Trailers
zum Themenjahr der Stadt Halle von Alexander Henschel, der zu seinem Film sagt:
„Wenn man ein dutzend mal 720 Linsen in ein akkurates Raster legt, wenn
man diese
Linsen dabei beobachtet, wie sie auf die Wasch- und Schleudergänge unterschiedlicher
Waschmaschinentypen reagieren, wenn man das spezifische Verhalten der Linsen
auf Maschinenschleudern mit mal wenig, mal viel Wäsche, mal durchnässter,
mal feuchter Wäsche untersucht, wenn man Linsen einölt, weil man glaubt,
sie würden dann besser dahin gleiten und man mit diesem Vorhaben kläglich
scheitert, wenn man so mit Linsen experimentiert, um einen Kinotrailer zu drehen,
dann kann es passieren, dass man ein sehr eigenartiges Verhältnis zu Linsen
bekommt. Mir ist das jedenfalls so passiert.
Eine Auswirkung dieses Verhältnisses war unter anderem, dass ich irgendwann
geglaubt habe ich würde wie diese Linsen denken, oder mich wie diese verhalten.
So konnte ich gut nachvollziehen, wie wichtig es ist, dass sich die Linsen gerade
bei den Turbulenzen des Schleudergangs zu einem Schwarm zusammenballen. Sie verhindern
so nämlich, dass einzelne Linsen von der Waschmaschine fallen.
Genauso erging es mir beim Erstellen dieses Films. Als einzelner war ich bei
einem Projekt wie diesem Kinotrailer oft der Verzweiflung nahe. Und genau dann
merkt man, dass man sich in einem sozialen Gefüge befindet, dass dann auch
funktioniert. Einem Gefüge, in dem viele verhindern, dass ein einzelner
scheitert.“
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