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Max Neupert
Alexanderplatz
Interaktive Animation - 2005
In die Wand eingelassenem
Flachbildschirm, Dimmer, Computer
Fototechnik: digitale Spiegelreflexkamera, verspiegelte Glaskugel
Der Betrachter steuert mit einem Drehregler die Zeitachse der Animation
und übernimmt damit die Kontrolle über den Tag. So wird sichtbar,
wie sich der Alexanderplatz während einem Tag und einer Nacht verändert.
Die Animation besteht aus 1440 im Abstand von einer Minute aufgenommenen
Fotografien.
Wie bei Claude Monets Zyklus „Die Kathedrale von Rouen“ wird
mit dem Festhalten der Zeit die Veränderung sichtbar gemacht. Neben
dem Farbspiel des Lichts im Laufe der Tageszeiten und dem Lauf von Sonne
und Mond treten weitere Handlungsstränge hervor: Die Anlieferung
der Zeitung, das Abschleifen der Straßenbahnschienen oder wie eine
Spinne ihr Netz baut in welchem sich eine Fliege verfängt.
Das Panorama lässt den Alexanderplatz nicht nur in seiner Weite
sichtbar werden sondern erinnert auch an ein dunkles Kapitel staatlicher
Auftragskunst: das 1883 auf dem Alexanderplatz eröffnete Rundbild „Die
Schlacht von Sedan“ nutzte die manipulativen Möglichkeiten
der Immersion um die deutschen Angreifer im Krieg gegen Frankreich 1870-71
wie mutige Verteidiger erscheinen zu lassen.
Die anamorphe Darstellung zeigt den Alexanderplatz als Nabel der Welt,
bei der sich der Horizont zu einem Kreis krümmt. Gleichzeitig wird
die Kamera im Spiegelbild der Glaskugel zur Iris eines All-sehenden Auges.
Diese Perspektive sah ich das erste Mal auf Fotografien Luc Courchesnes.
Sie erinnerte mich an die Illustrationen Saint-Exupérys zu seiner
Geschichte Le Petit Prince. Saint-Exupéry starb 1944 als Soldat
französischer Befreiungstruppen.
Die interaktive Animation „Alexanderplatz“ wurde für die
Kunstsammlung
des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU)
in Auftrag gegeben. Mit „Alexanderplatz“ wurde das erste Mal eine
neue Medien verwendende Arbeit in die Sammlung aufgenommen. Das BMU hat
zum Alexanderplatz eine besondere Beziehung, da der Berliner Dienstsitz
seit 1999 dort angesiedelt ist. Die Installation ist bis zum Umzug des
Ministeriums 2007/08 nach Berlin im Foyer des ehemaligen Postministeriums
in Bonn zu sehen.
Vielen Dank an:
Uwe Bäz, Glasbläser,
Lauscha
Oliver Bunke, Halle
Hannes Neupert
Aufnahmeteam Berlin: Johanna Balzer, Henry
Landers, Martina Ehleiter, Johannes
Waiditschka
Berliner Verkehrsbetriebe (BVG)
Dr. Peter Müller, Peter Reichling, Klaus Ockenfeld BMU, Bonn
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Foto: Henry Landers

Foto: Henry Landers
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